Lerntherapie ist anders

Mathe ist schwierig … schwierig zu erklären.

 

   Jeder macht’s anders

Ein Lerntherapeut muss analysieren können, warum Unterricht, Fördermaßnahmen und Nachhilfe gescheitert sind:

Wie wurde das Kind bisher unterrichtet?

Welche Vorstellung (also Gedanken) von Zahlen und Rechenabläufen hat das Kind durch diesen Unterricht entwickelt?

 

All die vielen Bücher, spaßbetonten Förderhefte oder bunten Montessori-Materialien bringen in vielen Fällen keinen Lernerfolg! Aber warum? Ein guter Lerntherapeut muss das erst einmal erklären können. Und zwar so, dass auch die Eltern es verstehen. Warum hat das Kind keinen Zugang zur Rechenlogik gefunden? Obwohl doch so viel Zeugs beschafft worden ist?

 

… Vielleicht ja sogar genau wegen des vielen Zeugs? Wegen der vielen Papierberge?

 

Eine Lerntherapie kann meines Erachtens nur dann erfolgreich sein, wenn der Lerntherapeut anders vorgeht, als es bisher Lehrer, Förderlehrer oder Hausaufgabenbetreuer (oder gar bereits andere Lerntherapeutinnen) des Schülers getan haben! Er muss die Worte finden, die im Kopf der Schülerin die richtigen Gedanken zum Leben erwecken. Dazu braucht er vor allem mathematische Fachkenntnisse … und nicht kistenweise Papier, Holzstangen, Plättchen oder Plastikwürfel.

Beim Vorliegen einer Rechenschwäche sind ein verstärktes Üben zu Hause oder Nachhilfeunterricht ohne fundierte diagnostische Kenntnisse wenig erfolgversprechend und verstärken vielmehr die Probleme. Üben bleibt erfolglos, weil das Kind seine fehlerhaften Rechenstrategien bereits automatisiert hat. Sie sind im Kopf schon zu tief verwurzelt. Das viele Material der (Förder-)Lehrer und unqualifizierte Erklärungen haben falsche Vorstellungen im Kopf der Kinder geschaffen.

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   Die wichtigste Frage

Was sind die Gedanken der Schülerin oder des Schülers bei den Worten des Lehrers oder der Eltern? Verstehen sie die Erklärungen überhaupt? Und vor allem: Was stellen sie sich im Kopf vor, wenn ihnen zum x-ten Male das Gleiche erklärt wird? Dann, wenn es wieder „über den Zehner“ geht?

Ich hab‘ ihr das doch jetzt schon so oft erklärt! Warum vergisst sie das immer wieder?“

Wissen lässt sich nicht durch Erklärungen „in den Kopf gießen“. Menschen können unheimlich gut vergessen. Schüler in Mathe besonders.

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   Was wir nicht verstehen, können wir uns nicht gut merken

Und in Mathe? … Hunderte Male erklärt. Immer wieder. Am nächsten Tag? Alles weg. Für die Arbeit geübt und geübt … wieder voll in die Hose gegangen. „Mensch, mein Kind, wir haben das doch so oft zusammen gemacht?!“

Im schlimmsten Falle glaubt das Kind den Erklärungen (z.B. der Mutter) bald nicht mehr, weil sie immer seltener zum Erfolg führen, obwohl die Zeit des Übens und Erklärens sogar zunimmt. Daraus resultiert oftmals ein Vertrauensverlust zwischen Kind und Erwachsenem, der allmählich über die häusliche Lernsituation hinausgeht. Die liebevolle Beziehung zwischen Kind und Mutter erfährt erste Kratzer. Das behindert nicht nur den Lernprozess erheblich: „Lass mich in Ruhe, Mama!“

Eine erfolgreiche Lerntherapie muss dem Kind die Chance geben, selbständig die Einsicht zu gewinnen, dass es bisher vieles falsch verstanden hat … und WAS es falsch verstanden hat. Das ist notwendig für eine Kursänderung.

Aber diese ist nicht einfach zu erreichen, insbesondere dann, wenn emotionale Spannungen bei der gemeinsamen Arbeit am Hausaufgabentisch Überhand nehmen: Verzweiflung, Erwartungsdruck … Angst vor weiterem Misserfolg. Denn die Sätze:

 

„Das ist falsch, weil …“    oder    „Schau‘ doch bitte nochmal her, das ist doch eigentlich ganz einfach …“

fühlen sich für die jungen Schüler(innen) nur noch an wie kalte Lappen ins Gesicht oder gar deftige Ohrfeigen auf beide Seiten! Denn: Welcher Erwachsene möchte jeden Tag zu hören bekommen, dass er wieder etwas falsch macht? Wer wird gerne kritisiert? Wie viele Erwachsene können mit Kritik an ihnen gut umgehen?

Die Schüler, um die es hier geht, erleben das allerdings tagtäglich: Falsch, Falsch, Falsch … dabei ist das doch so einfach, einfach, einfach! Du musst nur … Und so weiter. Kein Erwachsener mit Kummer oder gar Depressionen möchte so mit sich reden lassen! „Sie müssen doch einfach nur …!“

In der Lerntherapie im Lernbüro Stade werden die Schüler im Lerngespräch so geleitet, dass sie ihre Rechenfehler selbst erkennen können.

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   Erst die Selbsterkenntnis bringt den Schüler dazu, andere Vorschläge anzunehmen und sie auch Wochen später noch anzuwenden.

   Er muss seine Fehler verstehen und über den „Unsinn“ seiner Ergebnisse Einsicht gewinnen.

■   Auch junge Menschen wollen überzeugt werden, wie es besser gemacht werden muss … Sie wollen nicht belehrt werden!

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Lerntherapie im Lernbüro:

■   Ein „Neustart“ gelingt am besten in einer Einzeltherapie.

   Im Lernbüro Stade gewinnt das Kind durch die richtigen Fragen zur rechten Zeit wichtige eigene Erkenntnisse, die dann Ausgangspunkt für ein selbstbestimmtes Lernen werden.

   In der Lerntherapie werden die Worte gefunden, die das Kind versteht. Ohne belehrt zu werden.

   Mit fachkundiger Hilfe lernt das Kind, die Zahlenlogik zu verstehen.

   Auf die ersten „Aha!“ folgen viele „Ach so!“ … damit verbunden kommen auch Selbstbewusstsein und Lebensfreude wieder.

   Eine Chance selbstbewusst das zu entdecken, was die anderen schon wissen   …   Um auch Mathematik zu begreifen. Oder sogar Spaß dran zu gewinnen.

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Der Vorsitzende des IFRK Niedersachsen (Initiative zur Förderung Rechenschwacher Kinder), Jürgen Rösener, fordert:
Ein Lerntherapeut muss mindestens ein Studium in Pädagogik, bestenfalls mit Schwerpunkt Mathematik vorweisen. Alles andere ist Glücksache.“